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Leben mit dem Flughafen
 
Oberbürgermeister Jörg Enke: Leben mit dem Flughafen

Bild 45

Seit Inbetriebnahme von DHL im April diesen Jahres gehen in der Stadtverwaltung zahlreiche Beschwerden wegen Boden- und Fluglärm vor allem in den Nachtstunden sowie wegen Kerosingeruch hauptsächlich aus den nördlichen Teilen der Kernstadt und aus den Ortsteilen Freiroda, Radefeld und Hayna ein. Auch die DEMO der Bürgerinitiative „Gegenlärm Schkeuditz“ am 12. Juni hat gezeigt, dass viele Bürger mit der Lärmsituation unzufrieden sind. Sprecher der Bürgerinitiative und einige betroffene Bürger bekundeten dies nochmals in der Bürgerfragestunde der Stadtratssitzung am 12. Juni. Die Bürger sind auch deshalb unzufrieden, weil sie sich über die Aktivitäten der Stadt nicht ausreichend informiert fühlen. Gern möchte ich dem abhelfen und aufzeigen, welche Anstrengungen der Stadtrat, die Stadtverwaltung und der Bürgermeister bisher unternommen haben, um die Nachbarschaft mit dem Flughafen verträglich zu gestalten. Ich habe Verständnis für die Beschwerden, denn sehr viele Bürger tragen vor, vor allem nachts durch erheblichen Lärm belästigt und geweckt zu werden bzw. nicht wieder einschlafen zu können.

Bereits seit Beginn der Planungen zum Ausbau des Flughafens Leipzig/Halle beschäftigen sich der Stadtrat, Bürgermeister und Stadtverwaltung mit dem Thema, besonders intensiv seit der Planfeststellung zur Start- und Landebahn Nord im Jahre 1997. Von den Auswirkungen waren und sind die nördlichen Ortsteile stark, die Kernstadt kaum betroffen. Seit der Inbetriebnahme der Start- und Landebahn Süd hat sich die Betroffenheit der Bürger sowohl was die Anzahl der Betroffenen als auch den zeitlichen Umfang, vor allem nachts, anbelangt, erhöht. Es ist auch kein Wunder, denn der Flughafen liegt mitten in unserer Stadt.

Bereits in den Einwohnerversammlungen 2003 wurden vom Geschäftsführer des Flughafens Leip-zig/Halle, Herrn Malitzke, und vom damaligen Vorstandsvorsitzenden der Mitteldeutschen Flughafen AG, Herrn Stein, das Vorhaben Start- und Landebahn Süd mit Vorfeld ausführlich erläutert und die Auswirkungen dargelegt und deutlich gesagt, dass es laut wird.
Die Stadt Schkeuditz hatte eine umfangreiche, mit Ortschaftsräten, Bürgern und Interessengruppen besprochene, vom Stadtrat in mehreren Sitzungen intensiv diskutierte und beschlossene Stellungnahme zum Vorhaben abgegeben. Darin wurde ein besonderes Augenmerk auf die Lärmbelastung der Bevölkerung gelegt. Aufgrund der besonderen Belastungssituation in der Stadt Schkeuditz wurde eine Gesamtlärmuntersuchung gefordert, die nicht in erster Linie den Verursachern Anteile zuweist, sondern die zu erwartende Gesamtlärmbelastung und die effektivsten Maßnahmen zum Schutz vor den Belastungen aufzeigt. In Anbetracht dessen, dass mit der Planung eines Nacht-Fracht-Flughafens die höchste denkbare Belastung für die Bewohner einher geht, hat die Stadt Schkeuditz Betriebsbeschränkungen nachts gefordert. In der Stellungnahme wurde auch betont, dass verkehrslenkende Maßnahmen ergriffen werden müssen bis hin zur Kontingentierung der nächtlichen Bewegung auf der Südbahn. Eine der Haupt-forderungen war die Gleichverteilung auf beiden Start- und Landebahnen sowie die Verlängerung und Erhöhung der Lärmschutzwände in Kombination mit Lärmschutzwällen.
Der Planfeststellungsbeschluss vom 04.11.2004 berücksichtigt die Forderungen der Stadt Schkeuditz nur teilweise. Unberücksichtigt blieb z.B. die Forderung der nächtlichen Betriebseinschränkungen sowie der Verlängerung und Erhöhung der Schallschutzwände und der Aufbau von Schallschutzwällen. Hinsichtlich der ökologischen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen wurden die Forderungen der Stadt Schkeuditz in großem Umfang berücksichtigt. Als Beispiel kann die Umwandlung von Ackerflächen in Wald zwischen den Ortslagen Freiroda und Radefeld und der A14 sowie zwischen Papitz / Altscherbitz und der B6 neu genannt werden. Diese Anpflanzungen wurden dort vorgenommen, wo sie gleichzeitig als Schutz vor Boden- und Verkehrslärm dienen. Zu den Ausgleichsmaßnahmen gehört auch der Rückbau von insgesamt 40 ha befestigter Flächen, wie z.B. die Malzfabrik und das ehemalige Stadtbad in Schkeuditz.

Mit dem Planfeststellungsbeschluss, der die Möglichkeit, die Start- und Landebahn Süd zu drehen und zu verlängern sowie beide Start- und Landebahnen im Parallelbetrieb und zeitlich uneingeschränkt zu nutzen, war die Entwicklung des Flughafens Leipzig/Halle zum Luftfrachtdrehkreuz auf den Weg gebracht. Das war der entscheidendste Aspekt für DHL, von Brüssel nach Schkeuditz umzusiedeln und am Flughafen Leipzig/Halle zu investieren, um Frachtgut in alle Welt umzuschlagen. Damit war allen klar, dass es erheblich lauter wird.

Das Regierungspräsidium Leipzig als planfeststellende Behörde hat sich die Anordnung weiterer Auflagen zur Gewährleistung des Wiedereinschlafens vorbehalten. Der Flughafen hat für beide Start- und Landebahnen eine Auswertung auf der Grundlage der Dosis-Wirkungs-Beziehung des DLR (eine Aufwachreaktion pro Nacht), dem Kriterium 1 x 80 dB(A) und dem Kriterium zur Gewährleistung des Wiedereinschlafens für das Jahr der Inbetriebnahme und das nachfolgende volle Kalenderjahr, also Ende 2009, unaufgefordert der Planfeststellungsbehörde vorzulegen. Nach Prüfung und Auswertung entscheidet die Planfeststellungsbehörde, ob das Nachtschutzgebiet und die getroffene Anordnungen ergänzt werden müssen. Auf Grund der zahlreichen Beschwerden will der Flughafen früher Ergebnisse liefern. Seit Januar 2008 sind deshalb zehn feste und zwei mobile Messstellen in den Anrainerkommunen des Flughafens im Einsatz. In Schkeuditz befinden sich die festen Messstellen in Radefeld, Milanstraße 6, in Wolteritz, Spielstraße 2, und in Modelwitz, Eschenbreite. Es ist demnächst geplant, eine der mobilen Messstellen in Papitz zu installieren. Erste aussagefähige Messdaten werden im Herbst erwartet, denn es ist sinnvoll den Lärm über einen längeren Zeitraum und in den verkehrsreichsten Monaten zu messen. Der Flughafen hat sich ebenfalls bereit erklärt, Messungen zu den Schadstoffbelastungen durchzuführen. Wir werden dies aufmerksam verfolgen und eigene Bewertungen veranlassen.

Die Stadt Schkeuditz wird durch zwei Vertreter in der Fluglärmkommission vertreten, durch den Vorsitzenden, Herrn Heumos, und durch ein weiteres Mitglied. Des Weiteren ist der örtliche Vertreter der Bundesvereinigung gegen Fluglärm aus Schkeuditz. Es gilt z. B. in diesem Gremium optimale Flugrouten zu finden. Außerdem wurden und werden zahlreiche Gespräche geführt, um insoweit auf den Betriebsablauf bei DHL Einfluss zu nehmen, dass besonders laute Flugzeuge nicht in den Nachtstunden, sondern erst in den Morgenstunden starten bzw. darauf hingewirkt werden muss, diese durch modernere Flugzeuge zu ersetzen. Ein weiteres ständig diskutiertes Thema ist die Verteilung der Flugbewegungen auf beide Start- und Landebahnen, Bepflanzungen usw. Aber diese Einflussnahme ist beschränkt durch die Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses, der Bestandskraft hat.

Der Stadtrat, die Stadtverwaltung und ich als Oberbürgermeister sind regelmäßig im Gespräch mit Vertretern von DHL und des Flughafens, welche Maßnahmen beide darüber hinaus für die Bewohner von Schkeuditz leisten können, um die Lebensqualität zu verbessern.

 
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